Die Universität Göttingen muss sparen und will das Lichtenberg-Kolleg schließen. Für die einen Überbleibsel geplatzter Exzellenzträume, ist die Einrichtung für andere Ausweis von Weltbürgertum und wissenschaftlicher Internationalität. Die Wellen schlagen hoch.

ES WAR DER STOLZ der neuen Exzellenzuniversität. In dem Zukunftskonzept, mit dem Göttingen 2007 in den Club der deutschen Elite-Hochschulen aufgestiegen war, wurde “der Aufbau eines Wissenschaftskollegs zur Förderung innovativer und vernetzter Forschung in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften” als eine von “vier Säulen” der Exzellenz-Ambitionen beschrieben. 2009 feierlich eröffnet und in dem Prachtbau der ehemaligen Königlichen Sternwarte untergebracht, gehörte das Lichtenberg-Kolleg dann zu den leuchtenden Orten, an die Besucher geführt wurden, um ihnen die Weltoffenheit und die internationale Geltung der Göttinger Wissenschaft vor Augen zu führen.

Viele der in den vergangenen Jahrzehnten an Universitäten entstandenen Wissenschaftskollege, englischsprachig: “Institutes for Advanced Studies”, haben Weltgeltung erreicht – als begehrte Rückzugsorte in einer immer schnelllebigeren Wissenschaftswelt, an denen ausgewählte internationale Forscher, sogenannte “Fellows”, für einen längeren Zeitraum in aller Ruhe langfristige Projekte verfolgen können. So auch in Göttingen. Die ersten Fellows, die 2009 starteten, forschten über Begegnungen der Jesuiten im alten Asien, über die Philosophie der Logik und der Mathematik, über Zeit im Spiegel der Sprache oder über Rituale und ihre moderne Reflexion.

Seitdem ist viel passiert. Bei der nächsten Exzellenz-Runde 2012 fiel Göttingens Zukunftskonzept durch, der Exzellenz-Titel war futsch. 2018 schied die Universität dann schon in der Vorrunde des Wettbewerbs aus und steht seitdem sogar ohne Exzellenzcluster da. Es folgte ein erbitterter Führungsstreit und eine gescheiterte Präsidentenwahl. Aus der einstigen Exzellenzuniversität (Motto: “Göttingen. Tradition – Innovation – Autonomie”) war ein Sanierungsfall geworden.

Dass der Universität jetzt auch noch – wie allen niedersächsischen Hochschulen – empfindliche Sparmaßnahmen auferlegt wurden, war nur noch ein weiterer Schlag fürs Göttinger Selbstbewusstsein: einmalig 2,9 Millionen in diesem Jahr, und dann ab 2021 rund 3,3 Millionen weniger – dauerhaft jedes Jahr. So wirkt die vergangene Woche besiegelte Entscheidung, um die Kürzungen erfüllen zu können, nur noch wie das letzte Kapitel einer Geschichte der zerplatzten Träume: Das Lichtenberg-Kolleg, nach dem Exzellenz-Aus finanziell bereits empfindlich zusammengestaucht, soll jetzt ganz schließen, und zwar schon zum September 2021.

“Leuchtturm der Aufklärung” oder
“zu klein, um nachhaltig wirken zu können”?

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