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tell me why my children died!

  • 25.06.2013 // Am 4. Juli um 18 Uhr findet im Lichtenberg-Kolleg in der Historischen Sternwarte die Eröffnung der Ausstellung „Tell Me Why my Children Died!“ statt. Die fotografische Dokumentation gibt Einblicke in die langjährige Feldforschung von Professor Charles Briggs und Dr. Clara Mantini-Briggs im Regenwald Venezuelas. Der Anthropologe und die Ärztin, zur Zeit Fellows am Lichtenberg-Kolleg, wurden im Juni 2008 eingeladen, eine mysteriöse Epidemie zu erforschen und zu dokumentieren. Am Fall einer jungen Frau beleuchtet die Ausstellung den Umgang mit Krankheit und Tod sowie die Praktiken kollektiver Trauerarbeit bei indigenen Gruppen im Regenwald von Delta Amacuro. Eindrucksvoll zeigen die Bilder Leiden und Krankheit, Tod und Trauer. Doch auch Würde, Menschsein und Lebensfreude sind Teil dieser besonderen Bildnarration, die bewegt und zum Nachdenken auffordert.
  • Bei der Eröffnung und dann auch am 5., 6. und 7. Juli (jeweils um 14 Uhr) werden Charles Briggs und Clara Mantini-Briggs im Roten Saal des Kollegs ausstellungsbegleitende öffentliche Kurzvorträge halten. Konzeptuell und technisch wird das Projekt vom Lichtenberg-Kolleg in Kooperation mit Gert Schwab betreut. Kinder sollten die Bilder vermutlich am besten in Begleitung ihrer Eltern ansehen. Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.
  • Weiterführende Informationen // Im Juli 2007 begann im Regenwald von Delta Amacuro, einem nordöstlichen Bundesstaat von Venezuela, ein mysteriöses Sterben. Sieben der 76 Einwohner des Dorfes Mukoboina, alle von ihnen Kinder, starben innerhalb von drei Monaten. Heiler und lokale Ärzte versuchten, die bislang unbekannte Krankheit zu diagnostizieren und die Schwerkranken zu heilen. Der Erfolg blieb jedoch aus. Im Januar 2008 entfachte eine neue Erkrankungswelle. Sie breitete sich rasch aus und erreichte eine ganze Reihe angrenzender dörflicher Gemeinschaften. Ab Juni 2008 starben vermehrt auch junge Erwachsene. Verzweifelte Eltern fragten immer wieder: „Warum sind meine Kinder gestorben?“ Antworten hatte niemand. Hilfe aus der Bundeshauptstadt Tucupita oder aus Caracas war auch nicht zu erwarten. In dieser Situation entschied sich der Präsident des lokalen Gesundheitskomitees, Conrado Moraleda Izco, die Angelegenheit selbst die Hand zu nehmen und die Epidemie von einem unabhängigen Team von Spezialisten untersuchen zu lassen. Die Resultate sollten den nationalen Gesundheitsbehörden vorgelegt werden und die auch von Präsident Hugo Chávez gestellte Forderung untermauern, die sozio-politischen Ungleichheiten und augenscheinlichen Diskriminierungen indigener Bevölkerungsgruppen zu beheben. So begann die Kooperation zwischen dem Anthropologen Charles Briggs, der Ärztin Clara Mantini-Briggs, der Notfall-Krankenschwester Norbelys Gómez und dem Heiler Tirso Gómez, um die Epidemie endlich zu identifizieren und den Betroffenen eine Stimme zu verschaffen. Ihre Untersuchung ergab, dass es sich bei der mysteriösen Krankheit um eine durch Fledermausbisse übertragene Tollwut-Epidemie handelte. Eine Epidemie, welche bei adäquater medizinischer Prävention und Versorgung nicht zu massenhaftem Leid und Sterben hätte führen müssen. So enthüllte die Feldforschung die fatalen Folgen gesundheitspolitischer Diskriminierung und Unterversorgung. Darüber hinaus zeigte sie die Fähigkeit indigener Gemeinschaften, lokale Krisen mit Mut und Tat anzugehen, sich an der Erforschung von Krankheitsphänomenen aktiv zu beteiligen und zur Entwicklung neuer gesundheitspolitischer Praktiken beizutragen.